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17 Toons - ein Bericht von Hubert Abeln
Seit über 30 Jahren betreibe ich nun Modellsegelflug am Hang. Die ersten Hänge habe ich im Siebengebirge bevölkert, bin dann oft in die Eifel gefahren und treibe mich ab und an auch im Süddeutschen und in Frankreich in den Vogesen rum. Durch die vielen Aufenthalte in den Vogesen habe ich enge Freundschaften mit Modellfliegern aus dem Raum Colmar geschlossen. Entweder lag es an der guten Luft in den Vogesen oder aber wir haben abends zuviel Zeit gehabt und von unseren Ideen geträumt. Ab und an sind wir dann von Colmar aus zu Abstechern in die Schweiz zum Hahnenmoospass und zum Einkaufen beim Kindler in Niederbipp gewesen. Beim Kindler konnten wir damals auf drei Etagen eine Unmenge von Modellrümpfen und Tragflächen begutachten. Aber ich habe nie das gefunden, was meinen Wünschen entsprach. Es sollte ein Kunstflugsegler sein. Spannweite 4 – 5 m. Noch gut zu transportieren und es musste ein richtiger Klotz und Hingucker sein. Der durfte auch nicht jedem Geschmack und jeder Mode entsprechen, evtl. sogar ein Unikat sein. Mit einer MÜ28 in dieser Größenordnung habe ich gedanklich gespielt und dann doch noch gewartet. Einen ASW19 Rumpf mit 2,70 m Länge habe ich dann mal mit einer Tragflächenspannweite von 4,50 m als Kunstflugsegler eingesetzt. Flächenbelastung 125 g/dm². Tolle Grundgeschwindigkeit mit einem HQ 2,0-10. Damals, vor 17 Jahren noch ohne Wölbklappen ausgestattet. 60 cm lange Störklappen und Querruderanlenkungen mit Torrisionsgestängen. Pro Querruder mit einem Selbstbauservos ausgerüstet. Stellkraft der Servos ca. 2 kg. Aber der Flieger hat alles im Kunstflug mitgemacht. Nach all diesen Jahren habe ich dann Ende Mai 2005 beim Urlaub in den Vogesen von einer französischen Internetseite erfahren: Photos of the TOONS from Aeromod (planet soaring.com). Dort habe ich sehr viele interessante Beiträge und Dokumentationen entdeckt. In einem dieser Beiträge - Toons habe ich dann Anfang Juni 2005 DAS Modell entdeckt. Vom TOONS war ich sofort infiziert.
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Aber wie kann so ein Modell überhaupt in der Luft bleiben? Die Frage wurde oft gestellt. Und beim Fliegen beantwortet. Zur Geschichte: August 2002: In den Bergen um Briancon findet der Erstflug eines neuen Flugmodells statt. Nach 18 Monaten Entwicklungszeit und Hunderten Stunden Überlegungen wird es an einem Hang mit 800 m Höhenunterschied seinem Element übergeben. Kurzes Video - der Prototyp des Toons TOONS, so haben die Erbauer Ihr Modell genannt. Dieses Modell hat einen kleinen Bruder, den VOLTIJ. Der Maßstab zum Voltij ist 2:1. Viele kleine (CAR)TOONS schmücken auch eines der ersten Modelle. Insgesamt wurden aus der ersten, einfachen Form 6 Modelle gebaut.
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Erbauer der ersten Toons sind Benjamin Claramon und Jerome Bobin. Pierre Bobin hat dann die schönen Bilder vom Toons und die Entstehungsgeschichte auf seiner Internetseite veröffentlicht. Hier der Internetlink auf die ersten Anfänge: Pierre Rondel - Toons . Auf meine Anfrage hin hat mir Jerome Bobin dann per Email mitgeteilt, dass es zur Zeit sehr schwierig ist einen Toons zu erwerben, hat mir aber auch geschrieben, dass Alexis Marechal (AEROMOD) überlegt dieses Modell in neuen Formen zu bauen. Kurzfristig habe ich mich dann mit Alexis Marechal in Verbindung gesetzt und von ihm die Zusage erhalten, dass er mir solch einen Rumpf herstellen kann. Im Verein habe ich über mein neues Projekt berichtet und auch spontan zwei weitere Modellflieger begeistern können. Für den TOONS hat sogar einer der beiden, die vorgesehene Bestellung eines neuen, großen Kobuz, verworfen. Die beiden waren gerne bereit in dieses Projekt einzusteigen. Der Haken an der Sache: Ich musste gegen Kostenbeteiligung und wegen der räumlichen Voraussetzungen auch für die beiden „Kollegen“ die Tragflächen und Leitwerke bauen. Mit der Planung habe ich umgehend begonnen, die Vorschläge zur Auslegung am Wochenende präsentiert und die Freigabe zur Ausführung erhalten. Die Abmessungen habe ich nach und nach entweder aus den Bildern umgerechnet oder aber in vielen quälenden Fragen auch von den französischen TOONS-Besitzern beantwortet bekommen. Nachdem nun das Konzept geplant war hat Alexis Marechal den Auftrag zur Herstellung von 3 Rümpfen, 3 Hauben und 3 Seitenrudern erhalten. Mittlerweile habe ich dann erfahren, dass ein deutscher Modellflieger Alexis Marechal durch viele gemeinsame Wettbewerbe kennt und sehr gut mit ihm befreundet ist. Er arbeitet auch in Frankreich bei Airbus in Toulouse. Andreas Fricke ist dann bereitwillig und gerne als Dolmetscher zwischen mir und Alexis tätig geworden. Zu diesem Zeitpunkt haben die französischen Toons-Piloten ihr Modell mit einer Spannweite von 4,20 m und einem Fluggewicht von ca. 12,5 kg geflogen. Als Profil wurde das Ritz 1.30.10 und auch das vollsymmetrische MG05 mit 11% Dicke verwendet. Für Thermikflüge mussten beide Profile stark verwölbt werden. Das Konzept Mein Konzept wich von dieser ursprünglichen Auslegung ab: Der Rumpf blieb unverändert, das Leitwerk wurde optisch an die Tragflächengeometrie angepasst und vergrößert, die Spannweite auf 4,50 m vergrößert. Die Tragflächenwurzel ist 500 mm tief, der Randbogen misst 220 mm. Die Leitwerke haben je eine Spannweite von 450 mm, die Wurzeltief ist 280 mm und der Randbogen 150 mm. Rumpfhöhe im Bereich der Haube 420 mm, Seitenleitwerkshöhe 680 mm. Rumpfbreite 120 mm.
Als Tragflächenprofil habe ich mir das HQW 2,5-12 ausgeguckt. Ich wollte ein Profil einsetzen, dass Gewicht vertragen und auch verwölbt werden konnte. Ebenso sollte es kunstflugtauglich sein. Nach telefonischer Vorstellung des Projektes und Abstimmung mit Dr. Helmut Quabeck gab er mir die Bestätigung für diese Profilwahl. Tragflächen und Leitwerke wurden in Styro/Abachi-Bauweise hergestellt. Insgesamt habe ich pro Tragflächensatz und Höhenleitwerke ca. 80 Stunden Zeit für alle Arbeiten benötigt. Vom Herstellen der Schneideschablonen bis zum Feinschliff der Oberflächen. Nicht mitgerechnet habe ich den Servoeinbau und die Verkabelung in den Tragflächen. Diese Arbeiten und die Oberflächengestaltung hat dann jeder Pilot selber hergestellt. Diese Arbeiten wurden in der Zeit vom 1. Juli bis zum Ende August 2004 durchgeführt. Und das neben der Arbeit mit einer mindestens 50-Std.-Woche. Bis dahin hatte ich noch keine Angaben zum Rumpf und zum Fertigstellungstermin der neuen Rümpfe. Tragflächen und Höhenleitwerke waren also vor den Rümpfen fertiggestellt. Glücklicherweise hat dann der Formenbau recht zügig geklappt und Alexis konnte am 05.10.2004 abends um 20:17 Uhr die drei Rümpfe übergeben. Auf der Durchreise zum Viking Race auf Rügen hatten die französischen Modellflieger, Oliver Bordes, Pierre Rondel, Andreas Fricke, Marcel Gywang und Alexis Marechal Ihre Reise in Köln unterbrochen. Auf beiden Seiten war man freudig erregt. Ist doch klar, wir waren alle „Brothers in Toons“. Jetzt konnten wir auch mal sehen, wie gut die Vorarbeiten waren. Passen Tragflächen und die Höhenleitwerke? Mit etwas Harz und Mikroballons an den Wurzelrippen wurde eine schlüssige Anformung an den Rumpf hergestellt. Passt.
Was an Arbeit übrig war: RC-Anlage einbauen, Tragflächen bügeln, Dekor herstellen. RC-Anlage einstellen, Modell auswiegen. Fertig. Jedem Höhenruder wurde ein mindestens 5 kg starkes Servo mit Metallgetriebe eingebaut. Das Seitenruder wird über Seilzüge angelenkt und hat in der Dämpfungsfläche etwas Blei zur Flatter-Dämpfung erhalten. Der Antrieb erfolgt mit einem günstigen 24-kg-Servo oder aber auch mit zwei hintereinander eingebauten 5-kg-Servos, die Wölbklappen und auch die Querruder werden von je zwei 5-kg-Servos bewegt. Zusätzlich wurde ein Landerad mit Radbremse eingebaut. Hier bremst auch ein 5-kg-Servo über einen langen Hebelarm. Eine Schleppkupplung ergänzt die Startmöglichkeiten. Die Stromversorgung erfolgt durch zwei 5-Zellenakkus mit einer Kapazität von 2400 mAh und wird von einer Akkuweiche gemanagt. Damit evtl. auftretende hohe Ströme nicht die Leiterbahnen des Empfängers zerstören, habe ich eine Platine für die Stromversorgung aufgebaut. Von dieser Platine wird der Strom zum Empfänger und zu den Servos geführt. Die Impulsleitungen werden auch auf dieser Platine zugeordnet. Jetzt hieß es auf den richtigen Wind warten. Aber der kam schon am nächsten Wochenende. Erstflug am 13.11.2005 in der schönen Vukaneifel bei NW-Wind. Problemloser Bungee-Start. Alle Ruderfunktionen und –wege haben gepasst. Durch den hohen Rumpf liegt er richtungsstabil und reagiert auch auf kleinste Steuerkommandos ganz sauber. Wendigkeit ist wie bei einem F3B- oder F3F-Modell gegeben. Prima. Da macht das Fliegen Spaß. Aber wie ist das mit dem Landen? Auch hier ist der TOONS mit der Butterfly-Stellung sauber und fast auf den Punkt zu landen. Nach dem Erstflug haben wir noch mit der richtigen Schwerpunktlage experimentiert. Es musste noch „etwas“ Blei in die Nase. Die Querruderausschläge wurden noch etwas reduziert, da diese doch noch zu Überraschungen führten. Heute blicken drei zufriedene TOONS-Besitzer auf sehr schöne und spektakuläre Flüge in der Eifel und in den Vogesen zurück. Die Erfahrung zeigt das diese 3 unterschiedlich schweren Modelle mit 16,0 kg, 17,0 kg und 18,3 kg sehr gute Flugleistungen mit Flächenbelastungen von bis zu 114 g/dm² haben. Die Profilwahl richtig war und der Kunstflug mit einem enormen Durchzug geflogen werden kann. Sogar (leichtes) dynamic-soaring wurde bisher geflogen. Da die Tragflächen bisher jeder Belastung standgehalten haben, werden in naher Zukunft auch mal im dynamic-soaring die Geschwindigkeiten erhöht. Hangflug ist mit enormer Geschwindigkeit möglich. So wurde ein TOONS in den Vogesen von 18,3 kg auf 22,5 kg aufgebleit und wie ein F3F-Modell geflogen. Mit Snap-Flap unterstützt wird in der Wende die Geschwindigkeit immer höher. Nervenkitzel ist da angesagt. Mit sehr kleinen Ruderausschlägen erhält man schon eine sehr gute Wendigkeit. Nutzt man die kompletten Ruderwege kann man die Kante mal richtig schrubben. Mit leichter Wölbung sind Thermikflüge möglich. Aber man sollte auch die Außenlandemöglichkeiten rechtzeitig nutzen können. Ab einer Windstärke von 17-20 km/h ist der TOONS gut zu fliegen. Nach oben ist dem TOONS in bezug auf die Windstärke fast keine Grenze gesetzt. Der Tragflächenholm, mit „feinjähriger Siebengebirgsakazie“ verstärkt, hält sehr viel aus. Das steile Abfangen aus Flughöhen um die 350 m Höhe im Winkel von 45° haben die Tragflächen trotz des hohen Fluggewichtes ohne sichtbare Beanspruchungen überlebt. Und das nicht nur einmal. Der Holm steht! Der Verbinder besteht aus einem 30 mm Alurohr mit ca. 280 Kohleroovings. Dokumentiert wurden unsere Flüge von einem Fotografen der französischen F3F-Szene. Auch haben Schweizer Modellflieger sehr interessant zugeschaut und reichlich Bilder von unseren Aktivitäten auf dem Petit Ballon geschossen. Zu sehen sind diese Bilder auf der Website von Werner Caviecel Modellflug Fotoseiten - www.modellfluggeil.ch Als Resümee kann man festhalten, das sich die lange Wartezeit auf die Begegnung mit diesem Modell sehr gelohnt hat. Dieses Modell zu fliegen erhöht den Spaß am Hobby. Inzwischen hat Alexis Marechal den ursprünglichen TOONS weiterentwickelt und den TOONS in der aktuellen Voll-GFK-Version an unsere Auslegung angepasst. Zu sehen ist dies im Internet Toons - Aeromod Concept . Jetzt ist der Toons mit ca. 12,5 kg in einer Voll-GFK-Bauweise zu erwerben. Die Tragflächen und Leitwerke werden mit einer GFK-Waben-Schale hergestellt. Alexis Marechal hat dem TOONS auch ein neues, interessantes Design verpasst. Aber seht mal selber auf der o.g. Website nach. Das MG05 ist weiterhin bei den französischen TOONS-Piloten im Einsatz. Allerdings haben diese wesentlich bessere Hangflugmöglichkeiten als wir in unseren Höhenlagen. Die Berge um das Zentral-Massiv und die Pyrenäen haben doch so manch einen Vorteil gegenüber unseren „Hügeln“. Grüsse von Hubert Abeln
Jede Menge Fotos:
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Lieber Hubert! Vielen herzlichen Dank für den ausführlichen Bericht - die Fotos und Videos! Falls es bald Gelegenheit gibt - Videos mit Ton wären klasse! Gruss Artur
Was ich noch so fand: Videos betreffend des Toons: Toons im F-Schlepp- Alexis Acrobatics - Video von Aeromod Concept Toons im F-Schlepp - Andreas Acrobatics - Video von Aeromod Concept
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